- Das Rezept gegen Informationsüberflutung ist mehr Information. David Weinberger

- Als Information noch ein teuer zu bezahlendes Gut war, fiel der Umgang mit ihr leicht - man beschränkte sich auf das, was man sich leisten konnte oder wollte. Nun, wo riesige Informations-Mengen kostenlos per Mausklick zur Verfügung stehen, wird dies zur Herausforderung: Wie trennen wir die Spreu vom Weizen? Das Seltsame ist: Im Alltag gelingt das erstaunlich gut. Jeder hat für sich das Überangebot auf die Quellen reduziert, von denen er glaubt, dass er ihnen vertrauen kann. Mehr als das - blindes Vertrauen - blieb uns ja früher auch nicht. Allerdings haben wir jetzt die Qual der Wahl: Die vertrauten medialen Autoritäten, sei es Spiegel, Zeit oder Tagesschau, haben ihre übermächtige Position eingebüßt, und neue sind nicht nachgerückt. Heute wählen wir uns unsere Autoritäten selber aus. Wir informieren uns darüber, welchen Informationen wir glauben wollen.
- Nicht der überwältigende Nutzen der Information, sondern ihre nicht mehr zu bewältigende Flut charakterisiert die Epoche. Georg Franck

- Wer hingegen beruflich Daten auswerten muss, kommt nicht so leicht davon. Für Naturwissenschaftler ist die Rosinenpickerei, die uns im Alltag das Leben erleichtert, kein gangbarer Weg - die Wissenschaft soll schließlich allumfassend und grundlegend wahr sein. Dabei produziert die Wissenschaft mehr Daten, als sie sinnvoll nutzen kann. Ein Großteil der publizierten Ergebnisse landet ungelesen in den Archiven. Viele Wissenschaftler kapitulieren schon vor der Informations-Flut und ziehen sich auf ihr jeweiliges Spezialgebiet zurück. Sie verlieren den Überblick und damit auch die Fähigkeit, Forschungsergebnisse einem breitem Publikum nahe zu bringen. So paradox wie es angesichts der Informationsflut auch klingt: Die heutige Forschung läuft de facto unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab.
- Die Deutschen, und sie nicht allein, besitzen die Gabe, die Wissenschaften unzugänglich zu machen. Johann Wolfgang von Goethe

- Die Lebenswissensschaften sind im Begriff, Schwellen zu überschreiten. Die Stammzell-Technologie ermöglicht die beliebige Vervielfältigung und Manipulation von Tieren - mit Methoden, die wohl auch auf den Menschen übertragbar wären. Die Genomforschung bietet ungeahnte Möglichkeiten, die genetischen Ursachen von Krankheiten aufzuklären - und könnte so letztlich einer neuen, subtileren Eugenik den Weg bereiten. Und die synthetische Biologie spielt mit den Grundlagen des Lebens und wird es uns vielleicht einmal erlauben, neue Lebewesen am Reißbrett zu entwerfen. Eine wache und verantwortungsbewusste Gesellschaft müsste jetzt anfangen, über diese Entwicklungen zu diskutieren, um Chancen optimal zu nutzen und Gefahren frühzeitig zu vermeiden. Doch eine Diskussion ist sinnlos ohne solide und verständliche Hintergrund-Information, und die ist erstaunlich schwer zu bekommen. Das Internet ist immer noch vor allem Spaßkultur, und nur selten ein Medium der kritischen Auseinandersetzung.